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Indische Geistesgeschichte und Mediennutzung

18 Feb

Ab ca 1500 v. Chr.: Die Brahmanen, die Priesterkaste der arischen Stämme, die den indischen Subkontinent von Nordwesten her eroberten, tradierten ihre Gebete und Hymnen nur mündlich im Vedischen, während sich die Alltagssprache zum Sanskrit veränderte. Die Anliegen dieser Rituale waren diesseitige Ziele wie die Geburt von Söhnen und das Wachstum der Herden. Je mächtiger die Stämme wurden, desto ausgeprägter das Kastensystem, desto komplizierter und spezialisierter wurden die Rituale, die die Priester für die Familien machten. Die Brahmanen durchliefen eine lange Ausbildungszeit für die mündlichen Überlieferungen und Götterhymnen.

Konkurrenz gab es in der Asketenkultur, die sich mit Meditation, mit Fragen nach der Gesetzmäßigkeit der Abläufe innerhalb der Welt und der Befreiung davon beschäftigte. Weiterlesen

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Besuch der Moschee in München-Freimann

26 Okt

Am Freitag den 7. November hat eine Gruppe von Religionswissenschaftlern die Moschee in Freimann besucht. Nach einer Einführung in die Geschichte der Muslime in München und den Moscheebau vom Herrn Kalifa konnten wir anschließend an dem Freitagsgebet teilnehmen.


Die Geschichte der Muslime in München reicht bis ins 15. Jh. zurück. Damals zogen die Mauren (auch Morisken genannt), die muslimischen Araber aus Spanien waren, die im Zuge der dortigen Christianisierung vertrieben wurden, durch Mitteleuropa und führten auf den Marktplätzen ihre Tänze vor. Weiterlesen

Computerspiele und Religion

23 Okt

Es gibt Computerspiele, bei denen religiöse Inhalte lediglich eine Maske neben vielen anderen Masken darstellen. Diese Masken sind austauschbar und ändern Nichts an der Spielgrundlage. Eine andere Gruppe von Computerspielen benutzt religiöse Motivik als Kulisse, vor der das Spiel seinen Lauf nimmt, jedoch nicht direkt von der Kulisse beeinflusst wird. Wieder eine andere Gruppe nutzt Religion und religiöse Motive als Funktion im Spiel aus. Andere Computerspiele haben Religion in der einen oder anderen Form zum essentiellen Inhalt. Andere Spiele haben weder das Eine, noch das Andere an sich und sind dennoch für die Religionswissenschaft genauso interessant, wie die vorher aufgezählten Spielkategorien. Doch wieso? Weiterlesen

Filmtipp: Waltz with Bashir

16 Aug

Ruft man die englische Homepage des Films Waltz with Bashir auf, sieht man, während sich die Seite lädt, einen laufenden Hund. Er ist orange und man denkt erst einmal, es handle sich um ein schlichtes Wartesymbol, eine Beschäftigung für die Augen. Aber eigentlich verweist dieser Hund, sehr wohl nämlich ein Symbol, bereits auf die Handlung. Die Handlung des ersten animierten, semi-autobiographischen Dokumentarfilms in Spielfilmlänge. Sie beginnt mit zähnefletschenden, hetzenden Hunden, 26 an der Zahl. Sie jagen einem Mann hinterher. Die Stimmung der Bilder ist dunkel, man sieht nur die schwarzen Hunde mit ihren gelben Augen und ihren heraushängenden Zungen und man spürt ein klammes Gefühl. Denn trotz der Tatsache, dass es sich um Zeichentrickbilder handelt und nicht um reale Aufnahmen, merkt man eine deutliche Gefahr von diesen Tieren ausgehen. Sie verbreiten Angst. Weiterlesen

Das Experiment

15 Aug

Reportage über die Teilnahme an einem Heilungsverfahren/Versuchsperson bei der Heilerin

Interessiert hatte es mich schon immer, was es mit Geist- oder Paraheilen auf sich hat. Als ich mich jedoch bei meiner Professorin spontan als Probandin für ein Experiment bei der White Eagle Lodge meldete, wusste ich noch nicht, dass ich von einer Heilerin behandelt werden sollte.

Am Abend vor dem Termin filzte ich die Homepage der White Eagle Lodge.  Ein bisschen Ahnung, wo es da tags darauf hingehen sollte, wollte ich schließlich doch haben. Die Fotos der Zentren in den USA, die wie aus einem Science Fiction Film anmuteten, beeindruckten mich stark. Meine erste Imagination von weißem Adler mit dem Weißkopfadler als Wahrzeichen von den USA war doch nicht so falsch gewesen. White Eagle war nämlich ein Indianer, der sich durch sein Medium Grace Cooke bei den Menschen meldete. Unter dem Stichpunkt „Heilung“ finde ich den Hinweise, dass sie sich „als ausgesprochen wirkungsvoll erwiesen“ hätte.

So machte ich mich an einem Freitagmorgen im Oktober neugierig auf nach Germering. Weiterlesen

Kill me or kiss me – Wissenschaftliches Schreiben

11 Jul

Ein Sportler gewinnt eine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen. Man bewundert sein Talent, aber Talent ist ja nicht alles. Man weiß, dass sich der Sportler jeden Tag aus dem Bett auf seine durchtrainierten Beine schwingt und wahrscheinlich schon auf dem Weg zum Training in einen anstrengenden, muskelaufbauenden Trab verfällt. Er schindet seinen Körper bis an die Grenzen, ernährt sich ausschließlich von Dinkelkleie, und das wahrscheinlich seit seinem 3 Lebensjahr. Für so viel Disziplin hat er eine Goldmedaille verdient, da ist man sich einig. Dem Sportler gebührt Anerkennung, weil er sein Privatleben gegen einen Powerriegel eingetauscht hat um alle vier Jahre im ZDF zu erfreuen.

Ein Wissenschaftler schreibt ein wissenschaftliches Werk, das genial und trotzdem lesbar ist. Es wird von C.H.Beck abgedruckt. Man bewundert sein Talent. Das ist erst mal alles.

Keiner weiß von den espressogetränkten Nächten. Von dem horrenden Umsatz, den Farber Castell mal wieder gemacht hat (der übrigens in keinem Verhältnis zu dem Umsatz des Wissenschaftlers steht). Von der schmerzhaften Ironie, wenn morgens der Kopf des verkaterten Mitbewohners immer noch leichter als die Weber-Gesamtausgabe und das eigene Herz ist. Weiterlesen

Die (Un-)Wahrheiten der Medien

11 Jul

oder: Wie man religiöse Minderheiten unterdrückt

Es scheint eine Gesetzmäßigkeit zu sein, dass sich jede Religion – besonders in ihrem Entstehungsstadium – heftigen Anfeindungen, Verfolgungen und Unterdrückungen ausgesetzt sieht.

Dies trifft auch auf die 1844 in Persien entstandene Bahá’í-Religion zu, die in der religionswissenschaftlichen Forschung als eigenständige Universalreligion den abrahamitischen Religionen zugeordnet wird. Die Verfolgungsgeschichte der Bahá’í im heutigen Iran beginnt bereits mit den frühesten Anfängen ihrer Religion. Bereits 1849/50 wurden in einem Demozid zahlreiche Anhänger des Báb („das Tor“) massakriert, einige Quellen sprechen von über 20.000. Báb selbst wurde 1850 öffentlich hingerichtet. Der Religionsstifter Bahá’u’lláh war bis zu seinem Lebensende im heutigen Israel ein Verbannter und Gefangener.

Auch heute noch werden die Bahá’í insbesondere im Iran verfolgt, gedemütigt und ihrer Rechte beraubt. Über die wahren Gründe dafür kann man nur spekulieren, wie etwa Moderator Steffen Seibert im ZDF heute journal vom 13.3.2009: „Sie [die Bahá’i] sind den Ayatollahs ein Dorn im Auge. […]Vielleicht weil ihr sanfter Glaube, der übrigens Männer und Frauen völlig gleichberechtigt sieht, für junge Iraner zunehmend attraktiv ist.“

Während die westlichen Medien von Menschenrechtsverletzungen und Appellen verschiedener Regierungen wie z.B. der deutschen und Organisationen wie Amnesty International an die iranische Regierung berichten, findet sich in der inländischen Presse ein ganz anderes Bild der Situation. Weiterlesen