Indische Geistesgeschichte und Mediennutzung

18 Feb

Ab ca 1500 v. Chr.: Die Brahmanen, die Priesterkaste der arischen Stämme, die den indischen Subkontinent von Nordwesten her eroberten, tradierten ihre Gebete und Hymnen nur mündlich im Vedischen, während sich die Alltagssprache zum Sanskrit veränderte. Die Anliegen dieser Rituale waren diesseitige Ziele wie die Geburt von Söhnen und das Wachstum der Herden. Je mächtiger die Stämme wurden, desto ausgeprägter das Kastensystem, desto komplizierter und spezialisierter wurden die Rituale, die die Priester für die Familien machten. Die Brahmanen durchliefen eine lange Ausbildungszeit für die mündlichen Überlieferungen und Götterhymnen.

Konkurrenz gab es in der Asketenkultur, die sich mit Meditation, mit Fragen nach der Gesetzmäßigkeit der Abläufe innerhalb der Welt und der Befreiung davon beschäftigte. Die Asketen lehnten das Kastensystem und weltliche Verpflichtungen ab. Sie sprachen die Alltagssprache und lehrten individuelle Praktiken wie Meditation, die zwar Anleitung brauchen,  deren Erfolg aber auf eigene Anstrengung zurückzuführen ist. Diese Impulse wurden sowohl von interessierten Brahmanen wie von Angehörigen der Kriegerkaste aufgegriffen.

Die asketisch inspirierten Bewegungen wurden ebenso stark wie der Brahmanismus und brachten umfangreiche heilige Texte in den Volksprachen hervor, die dann auch niedergeschrieben wurden. Aus den zahlreichen Bewegungen, die sich um einzelne Asketen bildeten, sind zwei als Religionen bis in die Gegenwart lebendig geblieben: Jainismus und Buddhismus, beide ca. ab 500 v. Chr. Große Bibliotheken und berühmte Universitäten hatten über Jahrhunderte eine gewaltige Ausstrahlung. Der Buddhismus wandelte sich und konnte durch seine Anpassungsfähigkeit erfolgreich über Asien verbreitet werden. Der Jainismus bestand auf seine asketischen Ideale und blieb auf den indischen Subkontinent beschränkt.

Im Laufe der Zeit integrierten die Brahmanen Konzepte wie Karma und Moksha (Befreiung vom Kreislauf der Wiedergeburten), sie behielten aber das Konzept des Sanskrit als heiliger Sprache bei wie auch das Kastensystem, an dessen Spitze sie sich selbst sahen. Jainas wie Buddhisten wurden quasi als eigene Kaste deklariert.

Ab dem 9. Jhdt. n. Chr.: Die Jainas blieben den Volkssprachen treu und viele frühen Werke in den entstehenden modernen indischen Sprachen haben Jainas als Autoren. Da die regional unterschiedlichen Gruppierungen verschiedene Sprachen nutzten, wurde trotz gemeinsamer Anliegen die Verständigung untereinander erschwert. Erst sehr spät erlaubten auch die Brahmanen die heiligen Texte schriftlich niederzulegen. Durch die Verwendung des Sanskrit als gemeinsamer Sprache konnten die Brahmanen sich untereinander verständigen und Kenntnisse zwischen unterschiedlichen Reichen leichter transferieren. Die Fürsten förderten im Laufe der Zeit verstärkt die Brahmanen und weniger die Jainas und Buddhisten. Ausgehend vom Nordwesten eroberten muslimische Heere immer größere Gebiete in Nordindien und zerstörten u.a. buddhistische Klöster und Universitäten. Neu entstandene Bhaktibewegungen, die spirituelle Erfüllung durch Hingabe an Gott erreichen wollten, gewannen viele Anhänger. Das Medium der Musik, die Gefühle ansprechende Frömmigkeit, die Abkehr von leeren Ritualen, intellektuellen Kapriolen und asketischer Tendenzen führte zu einem enormen Anwachsen dieser religiösen Strömungen. Der Buddhismus verschwand vollständig aus Indien, der Jainismus wurde von einer missionarisch aktiven Bewegung zu einer in sich abgeschlossenen Gemeinschaft. Der Brahmanismus konnte auch die Bhaktibewegungen integrieren. Er hatte sich durchgesetzt und seine abschottenden Tendenzen beibehalten.

20 Jhdt.: Meditation und Yogaübungen, die von allen Gruppierungen genutzt wurden, verbreiteten sich innerhalb und außerhalb der religiösen Systeme weltweit. Die moderne Präsenz all dieser Systeme lässt sich im Buchhandel wie im Internet verfolgen. Yogagruppen jeglicher Herkunft stellen ihre Philosophie und Praxis im Internet dar. Buddhistische Zentren  bieten Sprachkurse, Belehrungen und Meditationsanleitungen an. Buddhistische Schriften lassen sich über das Internet studieren. Jainas geben Informationen zum Jainismus, wenden sich in ihren Foren aber hauptsächlich an die Jainas außerhalb Indiens, die sich mit der richtigen Praxis, z.B. der vegetarischen Ernährung, beschäftigen. Solche Foren dienen dem Zusammenhalt der Gruppen. Da die Werke führender Jainaasketen in indischen Sprachen geschrieben sind, sind sie vielen außerhalb Indien aufgewachsenen Jainas nicht verständlich. Diese Asketen nutzen keine modernen Medien und sprechen meist wenig Englisch. Die subtilen Feinheiten vom Meditation und Philosophie lassen sich so kaum vermitteln.

Brahmanen stellen Tempel, die Mythologie und Rituale in den Vordergrund.

Im deutschen Sprachraum dominieren in den Medien eindeutig Gruppen des Buddhismus und des Yoga.

THOMAS BISSINGER

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