Besuch der Moschee in München-Freimann

26 Okt

Am Freitag den 7. November hat eine Gruppe von Religionswissenschaftlern die Moschee in Freimann besucht. Nach einer Einführung in die Geschichte der Muslime in München und den Moscheebau vom Herrn Kalifa konnten wir anschließend an dem Freitagsgebet teilnehmen.


Die Geschichte der Muslime in München reicht bis ins 15. Jh. zurück. Damals zogen die Mauren (auch Morisken genannt), die muslimischen Araber aus Spanien waren, die im Zuge der dortigen Christianisierung vertrieben wurden, durch Mitteleuropa und führten auf den Marktplätzen ihre Tänze vor. Die bildlichen Darstellungen der Moriskentänzer befinden sich heute im Stadtmuseum. Im 18 Jh. wollte der Kurfürst Max Emanuel seine Residenz mit den Schlößern Nymphenburg und Schleißheim verbinden. Daher ließ er muslimische Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter einstellen, die eine Wasserstraße bauen sollten. So wurde der ‚Türkengraben‘ ausgehoben, der später aber wieder zugeschüttet wurde. Die Türkenstraße lief eben auf diesen Graben zu und bekamm daher ihre Bezeichnung. Nach dem Zweiten Weltkrieg versammeln sich muslimische Flüchtlinge in München, um Festgebete zu verrichten. Da sie keine Gebetsstätte hatten, mussten sie ihre Gebete in Mieträumen des Deutschen Museums und an anderen Orten (z.B. Augustiner Bräukeller) verrichten.

Am 6. März 1960 wurde die ‚Moscheebau-Kommission e.V.‘ gegründet mit dem Ziel die erste Moschee in München (und Bayern) zu errichten. In den Gesprächen mit dem Stadtrat stellte es sich jedoch heraus, dass der Bau innerhalb des Altstadtrings unmöglich sei, da dort nur katholische Kirchen gebaut werden können (eine Ausnahme ist die Synagoge am Jakobsplatz). Die Moschee konnte also nur am Rande der Stadt gebaut werden, in Freimann zwischen Kläranlage und Mülldeponie, den Blicken der Einheimischen entzogen. Am 6. Oktober 1967 erfolgte die Grundsteinlegung. Die Bauarbeiten kamen jedoch wegen fehlender finanzieller Mittel schnell ins Stocken. Nicht desto trotz fand in der unvollendeten Moschee am 20. November 1971 erstmals Ramadan-Festgebet statt. Der Bau wurde 1973 vollendet. Die Baukosten von rund 3 Millionen Mark wurden von vierzehn islamischen Staaten getragen, davon kamen mehr als die Hälfte von Libyen. Die Architektur der Moschee wurde von der Stadt München vorgeschrieben, sie musste bayerisch sein. Sogar die Teppiche im Inneren waren am Anfang blau-weiß gemustert. Erst später hat man sich auf eine rot-weiße Farbe (Flagge der Türkei) geeinigt.

Die Moschee in Freimann ist ein Treffpunkt vieler Gläubiger mit unterschiedlicher ethnischer Herkunft (zur Zeit überwiegen aber die Araber). So kommt es zu kleinen Prolemen was die Gestaltung der Gebete angeht. Die arabischen Gläubigen wollen beim Gebet mehr singen, die afrikanischen wollen mehr trommeln, die türkischen wollen eine längere Predigt und die konvertierten Deutschen mehr Ruhe. Da man diese Wünsche nicht zu vollkommener Zufriedenheit aller Gläubigen erfüllen kann, entstehen viele neue Moscheen, in denen sich nur eine ethnische Gruppe trifft. Diese Moscheen kann man jedoch nicht erkennen, da sie sich in gemieteten Räumen von Privathäusern befinden. Derzeit leben in München ca. 100 000 Muslime.

Das Islamische Zentrum in Freimann will den hier ansässigen Muslimen hauptsächlich bei der Ausübung ihrer Religion behilflich sein. So werden die fünf täglichen Gebete verrichtet, das Freitaggebet wird sogar aus dem Arabischen simultan ins Deutsche übersetzt. Die Moschee berät diejenigen Muslime, die zur Wallfahrt nach Mekka reisen wollen und führt gelegentlich (in 2008) Wallfahrtsreisen durch. Im Islamischen Zentrum befindet sich auch eine Schule, in der Kinder und Erwachsene Arabisch lernen können. Darüber hinaus will die Schule die Korankenntnisse übermitteln und für eine positive Integration durch kulturellen und wissenschaftlichen Austausch sorgen. Zur Zeit besuchen 120 Schüler zwischen 6 und 20 Jahren die Schule. Junge Muslime, die nach München kommen, um zu studieren, sehen die Moschee als ein Stück ‚Heimat‘ an von der aus sie sich mit der zuerst fremden Kultur in Deutschland vertraut machen.

Für Muslime, die in Deutschland keine Verwandte haben, ist die Gemeinschaft der Gläubigen eine Art von Familienersatz, was sich deutlich beim Fastenbrechen zeigt. Die Moschee bietet auch Hilfe bei Familienangelegenheiten jeglicher Art an. Darüber hinaus vermittelt die Moschee Wohnungen und Arbeit und auch gute Ärzte. Und nicht zu vergessen, sie ist auch ein Ort an dem man den Zukünftigen/ die Zukünftige treffen kann.

Die Moschee in Freimann ist nicht nur ein Gebetshaus, sonder viel mehr ein Zentrum des muslimischen Lebens, und das obwohl sie am Rande der Stadt liegt.

KIM BURGER

Quellen:
http://www.islamisches-zentrum-muenchen.de/
http://de.wikipedia.org/wiki/Freimann-Moschee
http://209.85.129.132/search?q=cache:HOTjBg-qW2AJ:webspace.st-michaelsbund.de/paxchristi/Rundbrief/3-2008/Rundbrief_3_Herbst_2008_A4_Seiten_30-32.pdf+pax+christi+muslime+in+m%C3%BCnchen&hl=de&ct=clnk&cd=1&gl=de&client=firefox-a

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