Elfen, Umweltschutz und Synthesizer – Pagan Folk

3 Sep

Pagan Folk, was ist das eigentlich?“ Diese Frage stellte sich mir, nachdem ich auf einem Faun-Konzert war und dort gelernt hatte, das man deren Musikrichtung so bezeichnet. Also fragte ich meinen Freund, der ja selbst als Musiker in der Mittelalterszene unterwegs ist. Die Antwort meines Freundes fiel folgendermaßen aus: „Eso-Baumschmuser Mukke für Elfen die im Wald leben.“ Ahja, so ist das also…

Sowohl der „Fachbegriff“ als auch die flapsige Erklärung meines Freundes ließen mich als fleißige Religionswissenschafststudentin stutzig werden und so wollte ich der Sache auf den Grund gehen.

Als erste Anlaufstelle bemühte ich Google, mir eine möglichst schöne Definition zu geben. Erste Ergebnisse wiesen auf zwei der bekanntesten Vertreter dieser Musikrichtung hin: Faun und Omnia. Letztere benannten sogar ein ganzes Album Pagan Folk. Etwas weiter unten fand man dann folgende Erläuterung für diesen ominösen Begriff: „Omina zelebrieren das, was sie Pagan Folk nennen, allumfassend, was man schon daran merkt, daß sie aus dem Auto mit dem „Odin statt Jesus“ Aufkleber genau so gewandtet aussteigen, wie andere „Mittelalterbands“ nur die Bühne betreten.“1

Anscheinend handelt es sich hier also nicht nur um Musik, sondern gleich um einen ganzen Lebensstil.

Sieht man sich die Band Omnia genauer an, so erhält man den Eindruck, dass die Bezeichnung „Baumschmuser“ gar nicht so daneben ist: Männer mit langen Haaren, in Röcke und Felle gekleidet spielen auf Instrumenten, die es teilweise schon seit dem Altertum gibt. Neben der Aufmachung erinnern sowohl Titel als auch Stücke selbst an Zeiten, die die meisten für längst vergangen halten. Viele Texte sind z.B. auf keltisch, CD-Titel lauten Beltaine und Live Religion.

In der Zeitschrift, Raventime, die Omnia für ihre Fans gegründet hat kann man Geschichten und Erklärungen zu Entstehung und Inhalten mancher Lieder lesen. Desweiteren gibt es Interviews mit den Bandmitgliedern, in denen sie davon erzählen, wie sie das was sie auf der Bühne darstellen auch in ihrem „normalen“ Leben verwirklichen.

Alle Mitglieder der Band bezeichnen sich als „Heiden“. Dies bedeutet unter anderem, dass sie die Jahreskreisfeste feiern. Einige dieser Feste sind ähnlich den christlichen bzw. wurden vom Christentum adaptiert, wie z.B. Beltane, die Nacht zum ersten Mail, die Christen als der Heiligen Walburga geweiht bekannt ist, oder Yule, die Wintersonnenwende, deren Traditionen, wie Weihnachtsbaum und Geschenke austauschen, auch im Christentum gepflegt werden.

Ein anderer Aspekt ist die vegetarische Ernährung und „grüne“ Einstellung. So wird in der Fan-Zeitung regelmäßig zu Umweltschutz und Wertschätzung der Natur aufgerufen. In dieser Zeitschrift bezeichnet sich Bandmitglied Steve „Sic“ Evans-van-der-Harten unter anderem als Schamane und Heide, widerspricht aber einige Ausgaben später wieder dieser Charakterisierung, weil er sich gegen das Schubladendenken, das dadurch provoziert wird wehren will.

Die Band und ihre Mitglieder in eine bestimmte neue religiöse Bewegung einzuordnen ist angesichts der Tatsache, dass jeder von ihnen seinem individuellen Glauben folgt und alle Institutionen und Kategorisierungen ablehnt schwierig. Auf jeden Fall ist es jedoch religionswissenschafltich interssant einen genaueren Blick auf „Pagan Folk“ zu werfen. Die Musikrichtung und ihre Vertreter bieten ein breites Band an Ansätzen und Ideen, deren Untersuchung ganze Seminararbeiten füllen könnte.

Ein weitere Möglichkeit wäre, die Hintergründe von Kleidung und Aufmachung der Band genauer zu beleuchten. Hier sei nur kurz auf die „Swirlies“ verwiesen, keltische Muster, die die Musiker von Omnia oft bei Auftritten in ihrem Gesicht tragen und die zwei Bandmitglieder über Arme und Rücken tätowiert haben. Alternativ könnte man sich auch mit den Textinhalten und deren Umsetzung auf der Bühne, die durchaus oft ritualhaften Charakter hat, beschäftigen. Es können auch die Aussagen, die die Bandmitglieder zu Religion und religiösen Themen machen, beispielsweise die Behandlung religiöser Artefakte in Museen, untersucht werden.

Zum Abschluss noch ein Zitat von der Steve Sic:

„Pagan Folk is the sound that humans make, when they are in touch with nature.“

Persönlich kann ich jedem empfehlen, ein Konzert einer Pagan Folk Band zu besuchen, denn neben den wissenschaftlich interessanten Aspekten lohnt es sich auf jeden Fall , einen solchen Auftritt mit eigenen Augen und Ohren gesehen und gehört zu haben.

KIM BURGER

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