Filmtipp: Waltz with Bashir

16 Aug

Ruft man die englische Homepage des Films Waltz with Bashir auf, sieht man, während sich die Seite lädt, einen laufenden Hund. Er ist orange und man denkt erst einmal, es handle sich um ein schlichtes Wartesymbol, eine Beschäftigung für die Augen. Aber eigentlich verweist dieser Hund, sehr wohl nämlich ein Symbol, bereits auf die Handlung. Die Handlung des ersten animierten, semi-autobiographischen Dokumentarfilms in Spielfilmlänge. Sie beginnt mit zähnefletschenden, hetzenden Hunden, 26 an der Zahl. Sie jagen einem Mann hinterher. Die Stimmung der Bilder ist dunkel, man sieht nur die schwarzen Hunde mit ihren gelben Augen und ihren heraushängenden Zungen und man spürt ein klammes Gefühl. Denn trotz der Tatsache, dass es sich um Zeichentrickbilder handelt und nicht um reale Aufnahmen, merkt man eine deutliche Gefahr von diesen Tieren ausgehen. Sie verbreiten Angst.

Auch der Mann, der diesen Alptraum – denn um einen solchen handelt es sich als Einstieg in den Film – regelmäßig hat, merkt, dass es sich um Symbole handelt, die ihn seit langem jede Nacht verfolgen. Er sucht seinen Freund auf und berichtet von den nächtlichen Hetzjagden. Bei seinem Freund handelt es sich um den israelischen Regisseur, Autor und Produzenten des Films selbst, Ari Folman. Sie beide hatten als junge Männer 1982 im ersten Krieg gegen den Libanon gedient. Folman hat keinerlei Erinnerungen an diese Zeit und die Erzählungen seines Freundes stoßen ihn letztendlich auf die Frage, wie er an diesem Krieg als Soldat beteiligt war. Er begibt sich auf Reise in die Vergangenheit, tritt in Kontakt zu ehemaligen Kameraden und setzt so Schritt für Schritt das Puzzle zusammen.

Der Film endet mit Originalaufnahmen aus den Beiruter Flüchtlingslagern Sabra und Schatila, in denen die christliche Miliz hunderte Palästinenser getötet hatte.

Der Film basiert auf Tatsachen und Interviews, die Folman selbst erlebt und geführt hat. Er berichtet auf außergewöhnliche Weise von der Grausamkeit des Krieges und den psychischen Folgen, mit denen Soldaten ein Leben lang zu kämpfen haben. Musik und Trickdarstellung nehmen sich der Aufgabe an, ästhetisch hervorzuheben, wo andere Filme ins Grausige und Splattermäßige verfallen, und zeigen den Zuschauern eine Welt, in der Krieg und normales Leben oft eng beieinander liegen. So wirkt der Film realer als manch andere Dokumentation oder Reportage. Er wühlt auf, scheint teilweise bizarr und verwirrend, ist aber jede Minute wert.

Mehr Informationen unter:
waltzwithbashir.com (englische Homepage)
waltz-with-bashir.pandorafilm.de (deutsche Homepage)

VALERIE FUCHS

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