Das Experiment

15 Aug

Reportage über die Teilnahme an einem Heilungsverfahren/Versuchsperson bei der Heilerin

Interessiert hatte es mich schon immer, was es mit Geist- oder Paraheilen auf sich hat. Als ich mich jedoch bei meiner Professorin spontan als Probandin für ein Experiment bei der White Eagle Lodge meldete, wusste ich noch nicht, dass ich von einer Heilerin behandelt werden sollte.

Am Abend vor dem Termin filzte ich die Homepage der White Eagle Lodge.  Ein bisschen Ahnung, wo es da tags darauf hingehen sollte, wollte ich schließlich doch haben. Die Fotos der Zentren in den USA, die wie aus einem Science Fiction Film anmuteten, beeindruckten mich stark. Meine erste Imagination von weißem Adler mit dem Weißkopfadler als Wahrzeichen von den USA war doch nicht so falsch gewesen. White Eagle war nämlich ein Indianer, der sich durch sein Medium Grace Cooke bei den Menschen meldete. Unter dem Stichpunkt „Heilung“ finde ich den Hinweise, dass sie sich „als ausgesprochen wirkungsvoll erwiesen“ hätte.

So machte ich mich an einem Freitagmorgen im Oktober neugierig auf nach Germering. Das Haus zu der passenden Hausnummer auf meiner Wegbeschreibung auf Anhieb zu finden, gelang mir nicht sofort. Als in der Bäckerei – zwei Hausnummern höher als die von mir gesuchte – keiner wusste was ich meinte, nur eine Besucherin den Namen „White Eagle Lodge“ schon mal gehört hatte, wurde mir klar, dass ich wohl nicht nach einem aussergewöhnlich aufällig repräsentativen Bau suchen musste. Beim zweiten Umschreiten des Blocks fand ich dann dasWhite Eagle Hauptzentrum Deutschlands in einem gewöhnlichen Wohnhaus hinter einer über mannshohen, blickdichten Hecke.

Nach meinem Läuten öffnete mir eine Frau mittleren Alters, normal gekleidet mit brauner Stoffhose und breitgestreiftem Pullover die Tür. Schon etwas enttäuscht war ich, als sie diese Dame, die mich flüsternd begrüßte und um Schuhe ausziehen bat, später als die Heilerin herausstellte.

Das „Wartezimmer“ erinnerte mich mit der hölzernen Eckbank und Sternenmobile im Fenster nebst einer kleinen Küchenzeile und einem bunten Bücherregal mehr an das Wohnzimmer meiner Tante, als an einen „Tempel“.

Beim genaueren Betrachten der Buchtitel, wurde mir dann doch klar, dass es sich nicht um ein gewöhnliches Wohnzimmer handelte. „Der Pfad ins Licht“ oder „Die verborgene Weisheit des Johannesevangeliums“  als Buchtitel nebst einem sechszackigen Stern auf fast jeder Publikation sprangen mich an. Sehr mystisch – oder vielleicht esoterisch – und interessant wirkte das auf mich.

Nach dem Ausfüllen eines kurzen Fragebogens zu meinem körperlichen Gesundheitszustand und einigen Gewohnheiten wie Rauchen wurde ich dann endlich im Nebenraum verkabelt. Das bedeutete, dass ich an Knöckel, Schläfe, Brust, Bauch und Hand mit Elektroden versehen wurde. Um die Wartezeit nicht zu lang werden zu lassen, durfte eine andere Studentin, die auch Probandin war, bei der Heilung zusehen, bis wir dran sein würden.

Schon beim Betreten des Raumes bin ich etwas enttäuscht. Es riecht nach Hotelzimmer und die blaugepolsterten Stühle auf blaugrauem Teppichboden wirken wie in einem Konferenzraum. Der „Altar“ dagegen ist ein Kasten aus Milchglas (oder Plastik) der von innen beleuchtet ist. Wirkt auf mich beeindruckend. Der Kreis mit Kreuz darin ist als Symbol auf dem Altar und hell beleuchtet. Die Heilerin sitzt auf einem Stuhl rechts daneben, uns zugewandt. Links vom Altar der Versuchsaufbau mit Kamera und Messgeräten.

Der Proband, der verkabelt gerade auf einem runden Hocker mittig vor dem Lichtaltar sitzt, atmet schwer und tief. Im Wartezimmer hatte er schon erzählt, dass er in der Ausbildung zum schamanistischen Heiler wäre. Jetzt blicke ich von hinten direkt auf seinen fast kahl rasierten Schädel, dessen kleiner runder Haarbüschel am Hinterkopf einen guten Konzentrationspunkt für mich darstellt. Es herrscht Totenstille. Alles verharrt bewegungslos. Nur das tiefe Atmen des angehenden Schamanen und der Heilerin, die neben dem Altar auf einem Stuhl mit geschlossenen Augen meditiert, ist zu hören. Nach zehn langen Minuten öffnet sie die Augen und liest: „Während du nun hier bist, versuche einen Altar zu erschauen. Strahlend steht er vor dir. Fühle seine Kraft durch die Händes deines Heilers. Strahlend steht er vor dir, lichtdurchflutet.“

Schließlich erhebt sie sich und stellt sich hinter den sitzenden Probanden. Sie bewegt ihre Hände ohne ihn zu berühren über dessen Kopf bis zur Schulter und, wie wenn sie Sand von ihren Fingern reiben wollen würde, schnipst sie die ihm gerade entzogene Energie hinter sich. Das wiederholt sie siebenmal. Dann das selbe während sie den Rücken runterstreicht. Muss entspannend sein, denke ich mir. Schließlich legt sie die Hand auf seinen Nacken und bleibt mit geschlossenen Augen stehen. Wieder Totenstille. Schon fast erlösend wird dann endlich das Geräusch ihrer Hand auf seinem Rücken, einen Kreis beschreibend.

Mir ist ganz schön kalt und die Heilerin ist auch noch barfuß. Als sie sich neben den Probanden kniet hört man nur das Knirschen ihrer Kniegelenke und wieder Ruhe, während sie ihre Hände auf Bauch und Rücken auflegt. Schließlich atmet sie tief, macht hinter dem „Geheilten“ stehend ein Kreuzzeichen mit Kreis drum rum und spricht: „Wir danken dir Vater, Mutter, Gott für den Segen deiner Heilkraft für dieses dein Kind. Amen.“

Meine Heilung läuft genauso ab. Schließlich muss im Rahmen eines Experiment der Ablauf immer gleich sein. In einem kurzen Interview nach meiner Heilung werde ich gefragt, ob ich was besonderes gespürt hätte, ein Kirbbeln oder ähnliches. „Nein. Eigentlich hab ich nur wahrgenommen, dass jemand neben mir steht.“

Eine Bekannte hat am Telefon gemeint, die Heilung bräuchte noch etwas Zeit um ihre Wirkung zu entfalten. Die Woche darauf bin ich richtig krank geworden. Eine dicke Erkältung mit allem drum und dran. Hat mir die Heilerin etwa zuviel Energie und vielleicht die gute statt die schlechte entzogen?

MELANIE REGUS

Bildnachweis: http://www.whiteagle.org/index/index_star4a.jpg

Reportage über die Teilnahme an einem Heilungsverfahren/Versuchsperson bei der Heilerin
Interessiert hatte es mich schon immer, was es mit Geist- oder Paraheilen auf sich hat. Als ich mich jedoch bei meiner Professorin spontan als Probandin für ein Experiment bei der White Eagle Lodge meldete, wusste ich noch nicht, dass ich von einer Heilerin behandelt werden sollte.
Am Abend vor dem Termin filzte ich die Hpmepage der White Eagle Lodge.  Ein Bisschen Ahnung, wo es da tags darauf hingehen sollte, wollte ich schließlich doch haben. Die Fotos der Zentren in den USA, die wie aus einem Science Fiction Film anmuteten, beeindruckten mich stark. Meine erste Imagination von weißem Adler mit dem Weißkopfadler als Wahrzeichen von den USA war doch nicht so falsch gewesen. White Eagle war nämlich ein Indianer, der sich durch sein Medium Grace Cooke bei den Menschen meldete. Unter dem Stichpunkt „Heilung“ finde ich den Hinweise, dass sie sich „als ausgesprochen wirkungsvoll erwiesen“ hätte.
So machte ich mich an einem Freitagmorgen im Oktober neugierig auf nach Germering. Das Haus zu der passenden Hausnummer auf meiner Wegbeschreibung auf Anhieb zu finden, gelang mir nicht sofort. Als in der Bäckerei – zwei Hausnummern höher als die von mir gesuchte – keiner wusste was ich meinte, nur eine Besucherin den Namen „White Eagle Lodge“ schon mal gehört hatte, wurde mir klar, dass ich wohl nicht nach einem aussergewöhnlich aufällig repräsentativen Bau suchen musste. Beim zweiten Umschreiten des Blocks fand ich dann dasWhite Eagle Hauptzentrum Deutschlands in einem gewöhnlichen Wohnhaus hinter einer über mannshohen, blickdichten Hecke.
Nach meinem Läuten öffnete mir eine Frau mittleren Alters, normal gekleidet mit brauner Stoffhose und breitgestreiftem Pullover die Tür. Schon etwas enttäuscht war ich, als sie diese Dame, die mich flüsternd begrüßte und um Schuhe ausziehen bat, später als die Heilerin herausstellte.
Das „Wartezimmer“ erinnerte mich mit der hölzernen Eckbank und Sternenmobile im Fenster nebst einer kleinen Küchenzeile und einem bunten Bücherregal mehr an das Wohnzimmer meiner Tante, als an einen „Tempel“.
Beim genaueren Betrachten der Buchtitel, wurde mir dann doch klar, dass es sich nicht um ein gewöhnliches Wohnzimmer handelte. „Der Pfad ins Licht“ oder „Die verborgene Weisheit des Johannesevangeliums“  als Buchtitel nebst einem sechszackigen Stern auf fast jeder Publikation sprangen mich an. Sehr mystisch – oder vielleicht esoterisch – und interessant wirkte das auf mich.
Nach dem Ausfüllen eines kurzen Fragebogens zu meinem körperlichen Gesundheitszustand und einigen Gewohnheiten wie Rauchen wurde ich dann endlich im Nebenraum verkabelt. Das bedeutete, dass ich an Knöckel, Schläfe, Brust, Bauch und Hand mit Elektroden versehen wurde. Um die Wartezeit nicht zu lang werden zu lassen, durfte eine andere Studentin, die auch Probandin war, bei der Heilung zusehen, bis wir dran sein würden.
Schon beim Betreten des Raumes bin ich etwas enttäuscht. Es richt nach Hotelzimmer und die blaugepolsterten Stühle auf blaugrauem Teppichboden wirken wie in einem Konferenzraum. Der „Altar“ dagegen ist ein Kasten aus Milchglas (oder Plastik) der von innen beleuchtet ist. Wirkt auf mich beeindruckend. Der Kreis mit Kreuz darin ist als Symbol auf dem Altar und hell beleuchtet. Die Heilerin sitzt auf einem Stuhl rechte daneben, uns zugewandt. Links vom Altar der Versuchsaufbau mit Kamera und Messgeräten. (hier am Rand bitte Bild von unten einfügen)
Der Proband, der verkabelt gerade auf einem runden Hocker mittig vor dem Lichtaltar sitzt, atmet schwer und tief. Im Wartezimmer hatte er schon erzählt, dass er in der Ausbildung zum schamanistischen Heiler wäre. Jetzt blicke ich von hinten direkt auf seinen fast kahl rasierten Schädel, dessen kleiner runder Haarbüschel am Hinterkopf einen guten Konzentrationspunkt für mich darstellt. Es herrscht Totenstille. Alles verharrt bewegungslos. Nur das tiefe Atmen des angehenden Schamanen und der Heilerin, die neben dem Altar auf einem Stuhl mit geschlossenen Augen meditiert ist zu hören. Nach zehn langen Minuten öffnet sie die Augen und liest: „Während du nun hier bist, versuche einen Altar zu erschauen. Strahlend steht er vor dir. Fühle seine Kraft durch die Händes deines Heilers. Strahlend steht er vor dir, lichtdurchflutet.“
Schließlich erhebt sie sich und stellt sich hinter den sitzenden Probanden. Sie bewegt ihre Hände ohne ihn zu berühren über dessen Kopf bis zur Schulter und, wie wenn sieSand von ihren Fingern reiben wollen würde, schnipst sie dieihm gerade entzogene Energie hinter sich. Das wiederholt sie siebenmal. Dann das selbe während sie den Rücken runterschreicht. Muss entspannend sein, denke ich mir. Schließlich legt sie die Hand auf seinen Nacken und bleibt mit geschlossenen Augen stehen. Wieder Totenstille. Schon fast erlöstend wird dann endlich das Geräusch ihrer Hand auf seinem Rücken, einen Kreis beschreibend.
Mir ist ganz schon kalt und die Heilerin ist auch noch barfuß. Als sie sich neben den Probanden kniet hört man nur das Knirschen ihrer Kniegelenke und wieder Ruhe, während sie ihre Hände auf Bauch und Rücken auflegt. Schließlich atmet sie tief, macht hinter dem „Geheilten“ stehend ein Kreuzzeichen mit Kreis drum rum und spricht: „Wir danken dir Vater, Mutter, Gott für den Segen deiner Heilkraft für dieses dein Kind. Amen.“
Meine Heilung läuft genauso ab. Schließlich muss im Rahmen
eines Experiment der Ablauf immer gleich sein.
In einem kurzen Interview nach meiner Heilung werde ich
gefragt, ob ich was besonderes gespürt hätte, ein Kirbbeln oder
ähnliches. „Nein. Eigentlich hab ich nur wahrgenommen, dass
jemand neben mir steht.“
Eine Bekannt hat am Telefon gemeint, die Heilung bräuchte noch etwas Zeit um ihre Wirkung zu entfalten.
Die Woche drauf bin ich richtig krank geworden. Eine dicke Erkältung mit allem drum und dran. Hat mir die Heilerin etwa zuviel Energie und vielleicht die gute statt die schlechte entzogen?

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