Im Interview: PD Dr. Anne Koch

8 Jun

Frau Koch konnte während ihres Studiums viele Erfahrungen im Ausland, unter anderem in Paris und Jerusalem sammeln. An die LMU kam sie erstmals 1994 als Studentin der Theologie und arbeitete später als wissenschaftliche Mitarbeiterin Institut für Biblische Exegese und später am Institut für Religionswissenschaft.

Nach verschiedenen Lehraufträgen in Heidelberg und Westminster habilitierte sie im Jahr 2007 mit dem Thema „Körperwissen. Grundlegung einer Religionsaesthetik“. Seitdem hat sie die Professur für Theorie und Methodik der Religionswissenschaft als Vertretung inne und ist 2008 zusätzlich als Lehrbeauftragte an der Universität Münster tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte sind unter anderem kognitionswisseschaftliche Religionswissenschaft, Religionsästhetik und Religionsökonomie.
Den meisten Studierenden der Religionswissenschaft ist ihr Name schon aus dem Grundkurs ein Begriff, in dem das von ihr entworfene Planspiel „Simulation als Methode“ durchgeführt wird.

Können Sie sich noch an Ihren ersten Arbeitstag im Studiengang RW
erinnern?

Nein, denn wissenschaftliche Berufswege sind selten gradlinig. Ich kann daher nicht datieren, wann ich gefühlsmäßig im Studiengang anfing. Ich wusste damals und weiß ja auch immer noch nicht wie lange ich noch an der Uni arbeite. Ich war erst mit einem Habil-Stipendium am Institut, das wegen einer finanziellen Fehlkalkulation der Vergabestelle doch keine Stelle war, dann  ein halbes Jahr an der einen Fakultät im Studiengang, dann ein halbes Jahr an der anderen Fakultät. Ob es weitergeht, entschied sich immer erst 5 oder 6 Tage vor der Arbeitslosigkeit. Alles nur mit Erkenntnisdrang dultbar…

Was hat sich seitdem in Bezug auf den Studiengang verändert?

Viel mehr Studierende, eine wachsende thematische Profilierung auch durch unsere Absolventen, echt   interessante Projekte wie Religionen in der Schule, diese Zeitung, Exkursionen, neue  Kooperationspartner, eine feste neue Mitarbeiterin über die Studiengebühren, eine Standortperspektive mit BA und MA (fast einzigartig in Deutschland!)

Beschreiben Sie doch mal den stereotypischen RW-Studierenden.
Beginnt idealistisch und ohne Blick auf späteres Verdienst. Fühler in alle Welt ausgestreckt. Sinninteresse. Verlässt zunehmend seine  alltagswissentliche Einstellung zu Religion als Transzendenzbezug und ermächtigt sich einer Sprache, Kultur als vielschichtige, historische Überlagerungen zu analysieren. Beherrscht die feine Unterscheidung zwischen einer normativen Tradition sich selbst eingeschlossen und der metasprachlichen Rekonstruktion. Wird zum Humankapital unserer Gesellschaft gehören und Kompetenzen im vernetzten Denken und in ideologiekritischer Haltung besitzen, die ihn und sie zu so nötigen Mitarbeitern unserer Wissensgesellschaft machen.

In welchem Maße wird sich der Studiengang durch die Bachelorumstellung verändern?
Nicht so sehr, da wir ja schon seit einiger Zeit die Interdisziplinarität in die Tat umsetzen. Einfacher für solche, die Vorgaben und Kontrolle brauchen, immer noch flexibel genug für die Selbstorganisierten, um aus dem breiten Wahlbereich individuelle Schwerpunkte zu setzen. Chancen neuer Lehrformen und Schlüsselqualifikationen machen den Bezug auf relevante gesellschaftliche Themen vielleicht noch deutlicher.

Wie sehen Sie die Zukunft der Religionswissenschaft in München?
Sehr gut, gerade angesichts der Auflösung des Faches an anderen Standorten im Zuge des Bologna-Prozesses. Durch die Exzellenz der LMU, die jedes Briefpapier vermerkt, und durch die reiche Kombinationsmöglichkeit mit den missverständlicherweise „klein“ genannten Fächern ist die Münchener Religionswissenschaft auch in Zukunft sehr attraktiv. Die philologische, historische und kulturwissenschaftliche Ausrichtung des Kernpersonals, die durch sozialwissenschaftliche Methodik der Kombinationsfächer ergänzt werden kann, bieten ein thematisch breit aufgestelltes Angebot wie kaum an einem anderen Ort.

Viele Kolleginnen und Kollegen vor Ort ,unterstützen in ihren Kooperationen und Forschungsprojekten die Religionswissenschaft und halten mit uns an dem Sinn spezialisierter kulturwissenschaftlicher und geisteswissenschaftlicher Fächern fest. Dazu ist eine gute Personalpolitik der LMU in bezug auf die Religionswissenschaft in den nächsten Jahren unabdingbar.

Zehn Jahre RW – Was ist Ihr Resumee?
Von 0 auf über 400 Studierende.
Von einer Uni ohne Experten und Expertinnen für Religion zu einer zeitgenössischen Religionswissenschaft.
Von einer vor ca. 140 Jahren in der Schweiz, England, Deutschland und den Niederlanden erfundenen wissenschaftsgeschichtlich innovativen Perspektive zu einem institutionalisierten, sehr gut funktionierenden eigenständigen Studiengang an der Universität München.

INTERVIEW: KIM BURGER

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