Filmkritik: Religulous

13 Mai

Der erfolgreiche amerikanische Comedian und bekennender Agnostiker Bill Maher hat sich mit Borat-Regisseur Larry Charles zusammengetan, um mit Religulous eine satirische Dokumentation über Religionen und Religionswahn zu drehen. Dazu führen sie unter anderem in Amsterdam, Israel, USA und Vatikanstadt Interviews mit religiösen Sprechern aber auch vor allem ganz normalen Gläubigen. Gesprächspartner sind so unterschiedliche Menschen wie die Mitglieder einer Truckerkapelle, der Jesus-Darsteller eines neutestamentlichen Themenparks in Florida, der Chefastronom des Vatikans, ein puertoricanischer Prediger, der sich als direkter Nachkomme Christi bezeichnet oder Ex-Mormonen in Salt Lake City.


Vor allem in Amerika finden sich dabei die absurdesten Stilblüten religiösen Ausdrucks, etwa das oben erwähnte Holy Land Experience mit täglicher Passionsmusicalshow, das Creation Museum mit der Steinzeit aus Sicht des Kreationismus, oder die Exchange Ministries speziell für “geheilte“ Homosexuelle.
Erklärtes Ziel des Films ist es, die inhärente Lächerlichkeit und Absurdität von Religionen und blindem Glauben bloßzulegen, aber auch die Gefährlichkeit von religiösem Fundamentalismus und Fanatismus. Denn Maher hat eine Botschaft und hält sich nicht zurück, diese lautstark zu verbreiten. Darin liegt die Stärke des Films und einige seiner komischsten Momente aber auch seine größten Kritikpunkte. Maher wirft den Religionen Bigotterie, Intoleranz, Korrumpierbarkeit, Fehlinformierung und Gewaltbereitschaft vor. In seiner Beweisführung bedient er sich allerdings häufig selbst der von ihm angeprangerten Methoden.
Von Subtilität oder Diskussionsbereitschaft ist nichts zu spüren. Glaubenlehren werden zerpflückt und Interviewpartner vorgeführt, indem sie meist unvorbereitet mit theologischen und ethischen Fragen und haufenweise Sarkasmus bombardiert werden um Unwissenheit und Ignoranz des gewöhnlichen Gläubigen zu demonstrieren. In den seltenen Fällen, in denen der Interviewpartner contra geben kann, wird das Gespräch überraschend schnell beendet.

Eher zweifelhafte Beispiele

In vielen Fällen will Maher seine Thesen mit Beispielen belegen, die einer objektiven Überprüfung nicht standhalten und damit die Argumentation entscheidend schwächen. Zum Beispiel dürfte es die meisten Ägyptologen eher überraschen zu hören, dass Horus als Vorbild für die Jesusbiographie gedient haben könne, da die Figur des Horus ebenfalls an einem 25. Dezember von einer Jungfrau geboren worden sei, Dämonen ausgetrieben und Tote wiedererweckt habe und gekreuzigt worden sei, etc.
Während in der ersten Hälfte des Films Gläubige als gedankenlose aber größtenteils harmlose Verrückte dargestellt werden, besteht das Bildmaterial zum Islam ausschließlich aus waffenstarrenden Aufläufen, Selbstmordattentaten und Osama Bin Laden. Entsprechend der weitere Grundtenor…
Am Schluss von Religulous befinden wir uns wieder an seinem Ausgangspunkt, in Meggido, Israel, laut Bibel dem Ausgangpunkt für das Armageddon. In Meggido schließlich verliert Maher auch den letzten Anschein von kritischer Urteilsfreiheit. Zu pompöser Musik hält er einen Weltuntergangsmonolog, untermalt von Kriegsbildern, Zerstörung und Atombombenpilzen. Die Menschheit müsse sich von Religion befreien oder untergehen, erwachsen werden oder sterben.
Religulous ist ein Film, der zu Diskussionen anregen will aber wohl nur die Fronten verhärtet. In seinem Bemühen um Komik um jeden Preis und den doch bitteren Nachgeschmack den seine polemische Einseitigkeit hinterlässt, gehen leider die gelegentlich tatsächlich zum Nachdenken anregenden Fragen Mahers und manche interessante und intelligente Antwort, die er erhält, unter.

NAOMI RECHEL

Bildquellen:

http://www.chronologs.de/chrono/gallery/12/ReligulousPlakat.jpg

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Eine Antwort to “Filmkritik: Religulous”

Trackbacks/Pingbacks

  1. Religio Scienco – Religionswissenschaft 2.0 « "Ich würde es genauso wieder machen" (Sophie Scholl) - Mai 16, 2010

    […] „Wirtschaftsunternehmen Hare Krishna„. Oder über Religion in der Serie Akte X oder im Film Religulous oder in der schönen Literatur. Oder wie wär’s mit einem Picknick auf dem Friedhof?  Oder, […]

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